Geisteswissenschaften sind ein Kompass in einem Meer der Möglichkeiten. Auf diese wichtige Rolle will das "Jahr der Geisteswissenschaften" hinweisen. Gerade beim Versuch, inmitten beschleunigten Fortschritts Orientierung zu schaffen, haben Philosophen, Ethiker und Historiker eine besondere Aufgabe. Ihre Expertise, ihre Erfahrungen und Kenntnisse sorgen dafür, dass angesichts einer sich rasch wandelnden Welt der Mensch nicht aus dem Blick gerät.
Der Mensch steht auch im Mittelpunkt der 7. Münchner Wissenschaftstage, die sich mit dem Thema "Leben und Kultur – von der biologischen Evolution zur kulturellen Entfaltung" beschäftigen. Wer über den Menschen in seiner evolutionären Entwicklung nachdenkt, muss den Menschen als Kulturwesen verstehen und deuten. Mit der biologischen Entwicklung des Menschen entwickelt sich Kultur, entwickeln sich die menschlichen Ausdrucks- und Verstehensmöglichkeiten. Menschliche Kultur und menschliche Evolutionsgeschichte stehen in engem Zusammenhang. Gleichzeitig gehören zur Interpretation von Kulturphänomenen auch die biologischen und physikalischen Bedingungen, unter denen sie entstanden sind.
Die Vielfalt menschlichen Lebens zu entschlüsseln ist die erste Aufgabe der Geisteswissenschaften. Oft haben Geisteswissenschaftler aber den Eindruck, in ihrem Wirken unterschätzt zu werden. Dabei haben die Geisteswissenschaften viele Fähigkeiten, auf die auch die Natur- und Ingenieurwissenschaften gerade in der immer stärker vernetzten Welt zurückgreifen müssen. Ein Beispiel: Mag für die Geisteswissenschaften der Gegenstand der Afrikanistik nur für den kleineren Teil spannend sein, spielt für den Geschäftsmann oder Ingenieur, der viel mit Unternehmen in diesem Kontinent zusammenarbeitet, die Afrikanistik bei geschäftlichen Kontakten eine wichtige Rolle.
Ich freue mich deshalb, dass dieser große Bereich unserer Wissenslandschaft bei den Münchner Wissenschaftstagen die Möglichkeit hat, seine Arbeit einem breiten Publikum zu präsentieren. Den Veranstaltern danke ich für ihr Engagement, das die Münchner Wissenschaftstage erst möglich macht; den Besucherinnen und Besuchern wünsche ich spannende Einblicke und interessante Begegnungen mit Forschung und Wissenschaft und viele neue Erfahrungen.


Einladung